Wissenschaftsparlament Sept. 2010 im Rathaus Wr. Neustadt
Pathogenforschung, Stammzellforschung und Biometrie sind die Themen des Wissenschaftsjugend- parlaments 2011
dialog<>gentechnik veranstaltete von 15. bis 17. Juni 2011 das zweite Wissenschaftsparlament. SchülerInnen der 10ten bis 12ten Schulstufe der HBLVA Rosensteingasse diskutierten dabei brisante, gesellschaftlich relevante Themen und Problematiken der Wissenschaft und Technik. Bei einem Hearing standen hochkarätige ExpertInnen den Jugendlichen Rede und Antwort. In Kleingruppen erarbeiteten die SchülerInnen Resolutionen zu den Themen, stellten sie im Plenum vor, diskutierten sie und stimmen darüber ab.


Diskussion im Plenum
Die Zielsetzungen des Wissenschafts- parlaments:
-Über Wissenschaft informieren und Interesse schaffen.
-Dialog zwischen WissenschaftlerInnen und SchülerInnen ermöglichen, Hemmschwellen abbauen.
-Gesellschaftliche Auswirkungen der Wissenschaft sichtbar machen.
-Politische Abläufe verständlicher machen.
-Die Bedeutung und die Notwendigkeit von zivilgesellschaftlichem Handeln sichtbar machen.
-Interesse an Politik generieren.
-Anstoß zu ethischen Überlegungen und Wertereflexion geben.
-Kritisches Bewusstsein schaffen.


Dr. Kampel von der TU Wien beim ExpertInnenhearing
Die Themen des Wissenschaftsparlaments 2011:
-Biometrie: Sicherheits- oder Überwachungstechnik:
Techniken die Identitätsmerkmale mittels DNA-Analyse, Gesichtserkennung, Spracherkennung oder Iris-Scan bzw. durch Fingerabdruck, Bewegungsabläufe oder Schriftbild erfassen, werden biometrische Techniken genannt. Diese biometrischen Techniken können eingesetzt werden, um Personen zu identifizieren und Gruppen oder Verhalten zu klassifizieren.
Einerseits verspricht man mittels Biometrie die Sicherheit an exponierten Punkten wie Flughäfen, öffentlichen Gebäuden oder Forschungsstätten mit restriktivem Zutritt zu erhöhen und die Sicherheitsabläufe effizienter zu gestalten, andererseits könnte sie auch von Staat und Unternehmen missbraucht werden um in die Privatsphäre von BürgerInnen einzudringen und Informationen zu sammeln.
Wie sicher sind wir, wie viel Sicherheit brauchen wir, welche Technologien sollen weiterentwickelt werden und wo sollen welche Technologien eingesetzt werden, um Sicherheit zu gewährleisten? Wie weit soll die Entwicklung von Sicherheitstechnik gefördert werden?
Wie können Privatsphäre und andere Bürger- und Freiheitsrechte angesichts neuer technischer Möglichkeiten geschützt werden?



-Das Dual-Use-Dilemma Pathogenforschung:
Dual-Use-Technologien können sowohl militärisch als auch zivil genutzt werden, und in friedlicher Absicht zum „Guten“ oder aber auch aus feindseligen Motiven zum „Bösen“ entwickelt und eingesetzt werden.
Pathogene sind Organismen oder Gifte, die Krankheiten auslösen können. Durch Pathogenforschung produziertes Wissen kann im Bereich der Krankheitsprävention und –Behandlung nutzbar sein, kann aber auch für biologische Kriegsführung und Terrorismus herangezogen werden.
Wie sollen Staat und Gesellschaft Chancen und Risiken dieses Forschungsfelds gewichten, wie kann die Pathogenforschung im Sinne des Allgemeinwohls reglementiert werden? Inwieweit soll Forschung in diesem Bereich gefördert werden? Wie sollen Staat und Gesellschaft mit dem Thema Unsicherheit umgehen?


SchülerInnen in Diskussion mit Univ.-Prof.Weitzer
-Stammzellforschung, Chancen, Risiken und ethische Dimension:
Stammzelltherapien und die Entwicklungen der Stammzellforschung sind vielversprechend auf dem Gebiet mancher Krankheiten, die bisher schlecht behandelbar oder unheilbar waren, z.B. Blutkrebs, Morbus Parkinson, Querschnittslähmung, Stoffwechselkrankheiten, etc.
Stammzellforschung ist jedoch auch mit ethischen Herausforderungen und Dilemmata verbunden:
Stammzellen können zwar mittlerweile nicht nur mittels der Zerstörung von Embryonen gewonnen werden, doch darauf kann aus Sicht vieler ForscherInnen derzeit noch nicht verzichtet werden, ohne den wissenschaftlichen Fortschritt entscheidend zu verlangsamen oder gar zum Stillstand zu bringen. Weiters wird embryonalen Stammzellen größeres Potential für neue Therapien zugeschrieben, als adulten Stammzellen.
Embryonen verbrauchende Forschung wird andererseits von großen Teilen der Gesellschaft mit Verweis auf die Unverletzlichkeit der Menschenwürde, auf das in Embryonen vorhandene Potential zur Personwerdung und Identitätsbildung, auf die kontinuierliche Identitätsentwicklung von Menschen, die nur durch willkürliche Grenzen kategorisiert werden kann, und schlussendlich mit Verweis auf die Spezieszugehörigkeit von Embryonen zur Gattung Mensch abgelehnt.
Eine Alternative könnten die induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) sein, deren Potential größer ist als das der adulten Stammzellen. Allerdings braucht man, um iPS in naher Zukunft als Alternative zu etablieren, weiterhin Embryonen verbrauchende Forschung, da die Eigenschaften der iPS mit denen der embryonalen Stammzellen verglichen werden sollen. Neben der Aussicht, durch iPS auf embryonale Stammzellen verzichten zu können und eine potentere Alternative zu adulten Stammzellen zu haben, haben iPS auch den Vorteil, dass sie in größerer Menge produziert werden können. Während adulte Stammzellen zumeist aus Nabelschnurblut oder Knochenmark entnommen werden, wobei einerseits passende SpenderInnen vonnöten sind und andererseits die gewonnene Menge an Stammzellen limitiert ist, können iPS in beinahe unbegrenzter Menge erzeugt werden. Beispielsweise aus einer einzigen Hautzelle. Das Problem der zu geringen Menge an Stammzellen um eine Therapie erfolgreich durchzuführen entsteht nicht. IPS könnten so langfristig die Lösung für die ethische Beschaffungsproblematik bezüglich pluripotenter Stammzellen sein.
Wo beginnt die Schutzwürdigkeit menschlicher Embryos? Welche Legitimität haben die Ziele embryonaler Stammzellforschung? Wo sind die Grenzen der Legitimität bezüglich ihrer Mittel? Wie soll der Forschungsbereich reglementiert werden? Inwieweit soll Forschung in diesem Bereich gefördert werden?