Bild: Fabio Pozzebom/Agência Brasil; cc/by
Macht euch die Gene untertan
TeilnehmerInnen einer Fachtagung an der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften sprechen sich für den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen aus. Der Vatikan und die Akademie selbst erklären sich für nicht zuständig.

Professor Ingo Potrykus, Entwickler des Vitamin A angereicherten Golden Rice und Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, lud im Mai 2009 vierzig LandwirtschaftsexpertInnen, ÖkologInnen, PolitwissenschaftlerInnen und TheologInnen aus der ganzen Welt in den Vatikan. Sie diskutierten fünf Tage lang, ob gentechnisch veränderte Pflanzen helfen können, die Menschheit zu ernähren. Eineinhalb Jahre später, am 30. November 2010 gaben sie nun eine Erklärung ab: Verantwortlich angewandt könnten gentechnisch veränderte Nutzpflanzen in vielerlei Hinsicht einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktivität leisten und die Lebensbedingungen armer Leute verbessern. Es sei ein „moralischer Imperativ, die Vorteile der Technologie in größerem Rahmen armen und benachteiligten Bevölkerungsschichten verfügbar zu machen, ihren Lebensstandard zu erhöhen, ihre Gesundheit zu verbessern und ihre Umwelt zu schützen.“ Sie sehen sich damit „vom gleichen Technologieverständnis inspiriert wie Papst Benedikt XVI“ und verweisen auf den biblischen „Auftrag, den Gott dem Menschen erteilt hat, die Erde zu bebauen und zu hüten“.

KritikerInnen spotten, das Positionspapier lese sich wie eine Werbe-Broschüre der Gentechnik-Industrie. Zu der Tagung seien überwiegend Gentechnik-BefürworterInnen geladen worden.
Vatikansprecher Federico Lombardi beeilte sich zu verkündigen, das Abschlussdokument der Konferenz sei weder eine offizielle Stellungnahme der Akademie noch des Vatikans oder gar des Heiligen Stuhls. Es sei von den vierzig TagungsteilnehmerInnen unterschrieben worden und habe daher deren wissenschaftliche Autorität.