Bild: US-Küstenwache, gemeinfrei
Bakterien bauen Erdöl im Golf von Mexiko ab
20. April 2010, die Ölbohrplattform Deep Horizon im Golf von Mexiko brennt. Elf Arbeiter sterben, 115 werden gerettet. Zwei Tage später sinkt die Plattform, mit der man neun Jahre lang in rund 1500 Meter tiefen Gewässern nach Öl gebohrt hat. 500.000 bis 1 Million Tonnen Öl strömen ins Meer, bis BP das Leck im Meeresboden am 16. Juli mit Schlamm und Zement provisorisch stopfen kann.

Auf einen Notfallplan für Ölkatastophen im reichlich bebohrten Golf von Mexiko hat man vorsorglich verzichtet, die größte Ölpest der Geschichte folgt. Die Küsten Louisianas, Floridas, Mississippis, Alabamas und Texas' sind verseucht, ein Ölteppich schwimmt im Golf und in 1100 Metern Tiefe eine 35 km lange, 1,6 km breite und 200 m hohe Wolke. Mensch versucht das Öl aufzufangen, abzubrennen, mit 6,8 Millionen Litern Chemikalien zu zersetzen, der Erfolg ist bescheiden.

Der Ölteppich im Mississippidelta am 1. Mai, Foto: NASA, gemeinfrei
Wenn der Mensch Mist baut, hilft sich die Natur manchmal selbst.

Doch was die IngenieurInnen nicht zuwege bringen, schaffen Bakterien der Ordnung Oceanospirillales: sie bauen die unterseeische Erdölwolke effektiv und unermüdlich ab, berichten US-ForscherInnen. Weil die Kohlenwasserstoffe in der Tiefe schneller als erwartet verschwinden, wurden sie neugierig und zogen 17 Proben aus der Erdölwolke, um die Mikroflora zu untersuchen. Sie fanden in der Wolke etwa doppelt so viele Bakterien wie außerhalb, jedoch nur bestimmte Arten, die natürlicherweise Erdöl abbauen können. Sie fühlen sich bei den 5°C in dieser Tiefe wohl, verbrauchen kaum Sauerstoff und können sich dadurch massenhaft vermehren. So schaffen sie es, das Öl alle ein bis sechs Tage um die Hälfte zu verringern, wie die ForscherInnen beobachteten. Sie vermuten, dass sich die Bakterien durch natürliche Öllecks, die im Golf von Mexiko recht häufig sind, sehr gut an solche Bedingungen angepasst haben.


Quellen: Bild der Wissenschaft, Science