Bild: Amada44, gemeinfrei
Ausgelagertes Gedächtnis
Bei schwierigen Fragen, fanden ForscherInnen heraus, denken wir nicht mehr über die Lösung nach, sondern auf welcher Internetseite wir sie am schnellsten finden.

Betsy Sparrow, ForscherIn an der Columbia-Universität (USA), sah einen alten Schwarzweißfilm: Das Haus der Lady Alquist. Die junge Schauspielerin, die das Hausmädchen spielte, kam ihre bekannt vor; der Name lag ihr auf der Zunge, wollte ihr aber partout nicht einfallen. Doch sie hatte ihr Smartphone dabei, und die Antwort schnell auf dem Display: Angela Lansbury, bekannt aus der Fernsehserie Mord war ihr Hobby.

"Wie haben wir uns solche Sachen gemerkt, bevor es das Internet gab?" war Sparrows erster Gedanke, der zweite galt Experimenten, dies mit ihren KollegInnen herauszufinden.

In einem Experiment fragten sie hundertsechs Studentinnen Dinge wie "stimmt es, dass beim Vogelstrauß ein Auge größer ist als sein Hirn?" und untersuchten, ob sie an eine Internet-Suchmaschine dachten. Das Ergebnis: Ja, die StudentInnen erwogen, die Antwort online zu finden.

Dann gaben sie den Versuchspersonen Merkaufgaben, die eine Hälfte machten die ForscherInnen glauben, dass sie die Informationen vor dem Test noch einmal im Internet nachschlagen dürfen, die anderen wussten, sie müssen sich auf ihre grauen Zellen verlassen. Raten Sie mal, wer besser abgeschnitten hat!

Die StudentInnen durften die Straußenhirn-Frage googeln und die Lösung auf dem Computer speichern. Und sie haben sich besser gemerkt, in welchem Unterordner die Antwort gespeichert ist, als was nun wirklich größer ist.

"Diese Art zu denken, ist ungemein effizient", so die ForscherInnen. Wozu Sachen merken, die wir jederzeit nachschlagen können? Durch Online-Lexika, schlaue Suchmaschinen und ein fast überall verfügbares Internet können wir das Gedächtnis auslagern und unsere grauen Zellen durch Computerchips ersetzen. Im Internet ist zweifelsohne viel mehr Platz als in unserem Gehirn. Und so neu ist die Sache sowieso nicht. Vor nicht allzu langer Zeit schlugen wir in Büchern nach und überlegten, welche Freunde und Bekannten wir fragen können, wenn uns etwas nicht einfiel. Oder wenn wir wissen wollten, ob bei Straußen Auge oder Hirn größer ist. Die Lösung finden sie übrigens hier .

Quellen: Science(1), Science(2)